Fingerpolyarthrose

Sehr geehrte Patientin,
sehr geehrter Patient,

wir haben bei Ihnen eine Verschleißerkrankung an den Fingergelenken festgestellt, die von den Medizinern als „Fingerpolyarthrose“ bezeichnet wird. Die Veränderungen betreffen hauptsächlich die Fingerendgelenke und die Fingermittelgelenke, häufig auch die Daumensattelgelenke. In der Regel sind beide Hände betroffen. Typisch für die Fingerpolyarthrose sind eher derbe Auftreibungen, die zu einer zunehmenden sichtbaren Verformung der Gelenke führen. Nach ihren Auftreibung der Fingermittel- und –endgelenke und werden nach ihren Erstbeschreibern wird die Arthrose an den Fingerendgelenken auch als „Heberdenarthrose“, an den Fingermittelgelenken als „Bouchardarthrose“ und an den Daumensattelgelenken als „Rhizarthrose“ bezeichnet.

Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich nicht um eine entzündlich rheumatische Erkrankung, bei der das Immunsystem einen Angriff gegen den eigenen Körper unternimmt – wie z.B. bei der chronischen Polyarthritis. Die Ursache der Arthrose liegt eher in Alterungsvorgängen des Knorpels, die zu zunehmenden Veränderungen der Gelenkflächen führen. Durch den Abrieb im Gelenk kann es auch zu lokal begrenzten Reizzuständen kommen, die dann wie eine Entzündung ablaufen. Diese Vorgänge führen aber im Gegensatz zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nicht zu einem im Blut messbaren Anstieg der Entzündungszeichen.

Häufigkeit:
Die Fingerpolyarthrose ist sehr häufig und betrifft besonders oft Frauen ab dem 45. Lebensjahr.

Ursachen:
Die genaue Ursache der Fingerpolyarthrose ist bisher nicht geklärt. Es werden genetische und hormonelle Faktoren und Umwelteinflüsse (Art und Dauer der Arbeitsbelastung) diskutiert. Bis heute kann man aber nicht erklären, warum einige Menschen mehr, andere weniger stark von diesen „Alterungsvorgängen“ betroffen sind.

Behandlung:
Eine ursächliche Behandlung der Fingerpolyarthrose ist bisher nicht möglich. Zur Linderung der Symptome (Schmerzen und Bewegungseinschränkung) kann die lokale Anwendung von Wärme und von so genannten Rheumasalben beitragen. Wärme kann auf verschiedene Wege an die Gelenke gebracht werden.
Man kann eine Schüssel mit Rapssamen füllen, sie im Ofen auf ca. 50° erwärmen und dann die Hände in den erwärmten Rapssamen eintauchen und ca. 10 Minuten lang Knetübungen machen.
Andere Möglichkeiten sind aber auch das Paraffinbad oder die Anwendung warmer Fango.
Da es im Rahmen der verschleißbedingten Veränderungen an den Fingergelenken auch zu kurzzeitigen Aktivierungsphasen kommen kann, in denen die Gelenke vermehrt geschwollen und überwärmt sind, ist in solchen „Akutphasen“ eher die lokale Anwendung von Kälte z.B. mit Kryogel oder Quarkpackungen vorzuziehen.

Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichend wirken, können auch Rheumasalben angewandt werden. Diese müssen aber regelmäßig 2-3 x am Tag auf die schmerzhaften Gelenke aufgetragen werden. Selten sind Rheumaschmerzmittel als Tabletten in niedriger Dosis erforderlich, wie z.B. Ibuprofen 200-400 mg oder Diclofenac 25-50 mg. Diese Medikamente sollten aber nicht ohne Rücksprache mit dem Hausarzt über längere Zeit eingenommen werden. Wenn in der Vorgeschichte ein Magengeschwür aufgetreten ist, besteht ein hohes Risiko für eine erneute Magenschädigung durch diese Medikamente.

Operative Möglichkeiten:
Bei sehr fortgeschrittenen Veränderungen, insbesondere an den Daumensattelgelenken, die die Gebrauchsfähigkeit der Hand und die Lebensqualität deutlich einschränken, kann auch eine Operation notwendig werden. Hierzu sollten Sie ggf. Ihren behandelnden Orthopäden oder einen Handchirurgen zu Rate ziehen.


Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team des Rheumazentrums Ratingen

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Fibromyalgiesyndrom

Sehr geehrte Patientin,
sehr geehrter Patient,

wir haben bei Ihnen eine Schmerzwahrnehmungsstörung festgestellt, die sich Fibromyalgiesyndrom nennt.

Erfreulicherweise können wir Ihnen in diesem Zusammenhang mitteilen, dass Sie nicht an einer Erkrankung leiden, die zu einem Schaden an Gelenken oder inneren Organen führt. Ihre Lebenserwartung ist durch diese Diagnose ebenfalls in keiner Weise beeinträchtigt. Weiterhin finden keine krankhaften Prozesse, wie Entzündungen oder ein Gewebsuntergang in Ihrem Körper statt. Im Gegenteil - ein wesentliches Merkmal des Fibromyalgiesyndroms ist, dass derartige Vorgänge nicht nachgewiesen werden können.

Sie mögen sich fragen: „Bin ich denn dann überhaupt krank?“

Ob und wo der „krankhafte“ Prozess im Körper eines Fibromyalgiepatienten stattfinden, konnte bislang durch die medizinische Forschung nicht definitiv geklärt werden. Es werden Störungen der Schmerzreizleitung in Regionen des peripheren und zentralen Nervensystems vermutet. Hier scheint vieles auf ein grundlegendes Ungleichgewicht der für die Schmerzleitung verantwortlichen Botenstoffe im zentralen Nervensystem hinzuweisen. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen die eine Beeinflussung durch eine hormonelle Fehlregulation, eine genetische Veranlagung, einen nicht-erholsamen Nachtschlaf sowie psychosozialen Stress als bedeutend für die Entwicklung eines Fibromyalgie-Syndroms ansehen. Letzteres scheint aufgrund der häufigen Zusammentreffen depressiver Störungen mit dem Fibromyalgie-Syndrom naheliegend. Wesentlich wird das Auftreten dieser Schmerzempfindungsstörung von der Lebenssituation beeinflusst: eine unbefriedigende berufliche Lage, Stress, unzureichende körperliche Bewegung etc.

Sie mögen sich fragen: „Sind denn meine Schmerzen überhaupt echt?“

Ja, die Schmerzen sind echt und ernst zu nehmen. Sie dominieren häufig den Tagesablauf. Hinzu treten regelhaft Symptome wie ein Kribbel- und Schwellungsgefühle der Hände, Magenbeschwerden und Verdauungsprobleme, Herzrasen, Atembeschwerden usw.. Häufig wird eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit beklagt.

Sie mögen sich fragen: „Was kann man gegen meine Schmerzen tun?“

Leider gibt es kein Medikament, das Ihre Schmerzen rasch und vollständig beseitigt. Durch Studien konnte gezeigt werden, dass durch Fibromyalgie hervorgerufene Schmerzen auf Schmerzmedikamente kaum reagieren. Um eine anhaltende Besserung Ihrer Beschwerden herbeiführen zu können, ist in der Regel eine komplexe, individuell festgelegte Therapiestrategie notwendig. Diese beinhaltet die regelmäßige Ausübung einer gelenkschonenden Ausdauersportart, die Durchführung von Krankengymnastik und Physiotherapie, eine psychotherapeutisch angeleitete Schmerzbewältigungstherapie, das Erlernen von Bewegungsübungen und Entspannungsmechanismen (z.B. Joga oder Tai Chi) und ggf. eine Regulation des Nachtschlafes, wobei sich hier u.a. niedrig-dosierte Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) bewehrt haben.

Sie mögen sich fragen: „Was kann ich selbst tun?“

Hier liegt der entscheidende Aspekt in der Behandlung des Fibromyalgiesyndroms. In der Regel ist eine langfristige Umstellung des Lebensstils notwendig. Da dies nicht von heute auf morgen geschehen kann, sind Geduld, Ausdauer und Motivation ganz entscheidend. Sportler leiden in der Regel nicht an Fibromyalgie. Wir empfehlen Ihnen, eine Ausdauersportart zu betreiben, wobei Sie hier mit wenigen Minuten am Tag beginnen sollten, auch wenn dies zunächst eine Zunahme der Beschwerden bewirken kann. Studien konnten belegen, dass regelmäßig durchgeführte Joga-Übungen und Tai-Chi eine Besserung der Beschwerden bewirken. Sorgen Sie für gute Voraussetzungen für einen erholsamen Nachtschlaf, Verringern Sie Stressfaktoren und werden Sie aktiv.

Der Weg in ein schmerzfreies Leben ist unter Umständen lang, jedoch lohnt es sich diesen trotzdem zu begehen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team des Rheumazentrums Ratingen

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Ernährung bei Gicht (purinarme Kost)

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

bei Ihnen wurde eine Gicht diagnostiziert. Die Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der über viele Jahre im Körper mehr Harnsäure gebildet wird, als über die Nieren ausgeschieden werden kann. Die Harnsäure wird aus den so genannten Purinen gebildet, die ständig im Körper freigesetzt werden, besonders aus der Muskulatur. Daneben nehmen wir auch mit der Nahrung Purine auf, die ebenfalls wieder über die Niere als Harnsäure entsorgt werden müssen.
Wenn die Menge an Harnsäure im Körper ein kritisches Maß überschritten hat, kann jederzeit ein akuter Gichtanfall auftreten. Im Verlauf von Jahren kann es durch die Gicht auch zu einer zunehmenden Zerstörung der Gelenke und zu einer erheblichen Schädigung der Nieren kommen. Langfristig sind erhöhte Harnsäurewerte im Blut für das Herz-Kreislaufsystem genauso schädlich wie erhöhte Cholesterinwerte. Ziel der Gichtbehandlung ist es deshalb, langfristig die Harnsäuremenge im Körper wieder zu vermindern und auf Dauer gering zu halten. In aller Regel ist zum Erreichen dieses Ziels eine langfristige (über viele Jahre, u. U. sogar lebenslange) Behandlung mit Harnsäure senkenden Medikamenten erforderlich. Sie selber können aber auch dazu beitragen, durch einfache Maßnahmen zur Absenkung der Harnsäurewerte im Blut beizutragen und so auf Dauer den Medikamentenbedarf zu vermindern und die schädlichen Folgen der Gicht zu vermeiden.

Allgemeine Maßnahmen:

1. Wenn Sie übergewichtig sind, sollten Sie eine langsame Verminderung des Körpergewichts anstreben, ohne Hunger- und Fastenkuren einzulegen (keine Null-Diät!!).
2. Vermeiden Sie regelmäßigen oder übermäßigen Alkoholkonsum (wenn es denn sein muss, empfiehlt sich ein kleines Glas Rotwein)
3. Trinken Sie mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag (im Sommer oder bei körperlicher Belastung auch deutlich mehr) z.B. in Form von Mineralwasser, Kaffee, Tee, Obst- oder Gemüsesäften. Nur wenn die Nieren genügend Harn produzieren, kann auch die Harnsäure ausgeschieden werden.
4. Steigern Sie Ihre körperliche Aktivität. Für den Muskelaufbau werden die Stoffe (Purine), die sonst zu Harnsäure abgebaut werden, benötigt.

Diätetische Maßnahmen:

Es wird eine purinarme Kost empfohlen. Als allgemeiner Leitsatz sollte der Konsum von purinreichen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Wurst oder Fisch, auf maximal 150 g/Tag beschränkt werden.

Lebensmittel aus denen wenig Harnsäure gebildet wird:
Milch und Milchprodukte, Obst, Gemüse, Pilze, Kartoffeln, Getreideprodukte

Lebensmittel aus denen viel Harnsäure gebildet wird:
Fleisch, Wurst, Fleischextrakte, Fisch, Hülsenfrüchte, Erdnüsse

Lebensmittel aus denen sehr viel Harnsäure gebildet wird:
Alle Innereien, geräucherter Fisch, Hering, Makrelen, Ölsardinen, Thunfisch, Muscheln, Schalentiere, Sojabohnen, Sojaprodukte

Purin- bzw. Harnsäure-äquivalenter Gehalt einiger Lebensmittel




Ausführlichere Ratgeber mit Nahrungsmitteltabellen, Diäthinweisen oder Kochrezepten finden Sie im Buchhandel oder im Internet. Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder an das Pflegepersonal.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team des Rheumazentrums Ratingen